Archiv für den Monat Juli 2011

Wunderbare Beschreibung einer Bedienungsanleitung.

Aus Karte und Gebiet von Michel Houellebecq:

„Während Jed auf einer Bank des kleinen Flughafens auf den Abflug wartete, warf er einen Blick auf die Gebrauchsanweisung des Fotoapparats, den er am Tag zuvor bei FNAC gekauft hatte. Die Nikon D3x, die er gewöhnlich für die vorbereitenden Aufnahmen seiner Porträts benutzte, war ihm zu imposant, zu professionell vorgekommen. Houellebecq stand um Ruf, einen abgrundtiefen Hass auf Fotografen zu haben; Jed hatte gespürt, dass ein Apparat mit eher spielerischem, familiärem Äußerem besser geeignet wäre.

Gleich im ersten Satz beglückwünschte ihn die Firma Samsung nicht ohne eine gewisse Emphase zum Kauf des Modells ZRT-AV2. Weder Sony noch Nikon hätten daran gedacht, ihn zu beglückwünschen, diese Firmen waren zu arrogant, zu sehr in ihrem Professionalismus verwurzelt. Vielleicht handelte es sich dabei aber auch nur um die typisch japanische Arroganz; diese gut etablierten japanischen Firmen waren sowieso unerträglich. Die Deutschen bemühten sich in ihren Gebrauchsanweisungen, die Fiktion einer auf Vernunft und Treue beruhenden Wahl aufrechtzuerhalten, und es blieb ein echtes Vergnügen, die Bedienungsvorschrift für einen Mercedes zu lesen, aber im Hinblick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis brach diese bezaubernde Fiktion, diese Sozialdemokratie der Gremlins, kläglich zusammen. Weiterlesen

Die Erzählung kann beginnen…

Lange hat es gedauert, bis ich mich dazu durchgerungen habe, endlich einen Online-Auftritt meiner bisherigen medienhistorischen Projekte zu starten.

Durch mein Studium und darüber hinaus habe ich mich immer wieder mit technischen Apparaten und deren Geschichte beschäftigt. Wichtig wurden dabei vor allem die Menschen, die mit mir an den Projekten gearbeitet haben, deren Geschichten und Erzählungen, die meine wissenschaftliche Recherche und Arbeit maßgeblich beeinflussten. Die Zusammenarbeit mit Sammlern, Zeitzeugen und Experten stellte sich als hervorragende Ergänzung zu Akten, Schaltplänen und Bedienungsanleitungen heraus.

Doch auch die Apparate begannen mit mir zu sprechen und ihre Geschichte und Geschichten zu erzählen. Aus der anfänglichen Blackbox wurden Einzelteile mit individuellem Werdegang, die über diese eigenen Geschichten wiederum zum Charakter des Apparates beitragen. Der technische Gegenstand erhielt eine soziale Dimension, in der Orte, Menschen und Ereignisse mit Schaltkreisen, Tasten oder Zahnrädern verbunden waren.

Auf diesem Blog möchte ich einen Überblick über diese Geschichten liefern. Die bisher entstandenen Arbeiten sind hier ebenso zu finden, wie auch zukünftige Projekte sowie Änderungen oder Ergänzungen.